Drei Fußballfreunde zeigen Zivilcourage

Drei Fußballfreunde zeigen Zivilcourage

(Bernkastel-Kues/Morbach/Mainz) Als „brutal“ schildern drei Jugendliche aus dem Landkreis Bernkastel-Wittlich ihr Erlebnis einer Augustnacht dieses Jahres in Bernkastel-Kues. Sie stoppten den Angriff eines jungen Mannes gegen eine Frau. Für ihr Einschreiten erhalten sie heute den Preis für Zivilcourage 2014.

  • Die drei Gymnasiasten (von links) Michael Herlach (17) aus Morbach, Jan-Hagen Engel (18) aus Monzelfeld und Nikolaus Rischbieter (19) aus Bernkastel-Kues reisen heute nach Mainz. Dort ehrt sie Innenminister Roger Lewentz mit dem Preis für Zivilcourage 2014. TV-Foto: Christian Moeris
Bernkastel-Kues/M´orbach/Mainz. Eine laue Sommernacht dieses Jahres in der beschaulichen Moselstadt Bernkastel-Kues: Zurück von einem Fußballspiel aus Dortmund, das sich die drei Freunde Nikolaus Rischbieter (19), Michael Herlach (17) und Jan-Hagen Engel (18) angeschaut haben, schlendern sie gegen 23 Uhr im Licht der Straßenlaternen durch die Gassen der Moselstadt. Auf dem Bürgersteig der gegenüberliegenden Straßenseite ist an diesem Samstagabend, 2. August, auch ein junges Pärchen unterwegs, das schreiend auf sich aufmerksam macht. „Die haben sich angebrüllt. Worum es in dem Streit ging, war aber nicht verständlich“, sagt Herlach aus Morbach. Während die Fußballfreunde weiter nach Kues marschieren, wo sie bei einem der drei übernachten wollen, lassen sie ihren erlebnisreichen Abend in Dortmund Revue passieren. Kurzzeitig verlieren sie dabei das aneinandergeratene Pärchen aus den Augen. Als sie die Straßenseite wechseln und plötzlich den Gehweg überblicken, auf dem das fremde Paar unterwegs ist, zeigt sich ihnen eine verstörende Szene. „Kurz und brutal“, sagt Engel aus Monzelfeld, sei der Akt der Gewalt gewesen, den sie ansehen mussten. Denn die junge Frau des zuvor bloß verbal aneinandergeratenen Pärchens saß auf dem Boden, während der junge Mann mehrfach auf das Gesicht der Frau eintrat. Nach einer Schrecksekunde stürmen die drei Jugendlichen zur Hilfe. „Wir haben geschrien: ‚Hey, lass das! Hör auf!“, erinnert sich Rischbieter aus Bernkastel-Kues. „Der hat ihr volles Rohr und ohne Rücksicht gegen den Kiefer getreten“, sagt Herlach. Als sie sich dem Täter nähern, sucht er fluchtartig das Weite. Die junge Frau saß vor Schmerzen gekrümmt und vom Schock paralysiert auf dem Gehweg. „Die hat uns gar nicht registriert“, sagt Engel. „Die war total verstört. Als sie uns sah, hat sie ihre Handtasche aufgehoben und sich aus dem Staub gemacht.“
Die Helfer verständigen die Polizei, die ihnen jedoch mitteilt, keinen Streifenwagen zur Verfügung zu haben, aber die drei Jugendlichen bittet, die Situation weiter zu beobachten. „Das war ziemlich verrückt: Die Polizei bittet uns, das weiter im Auge zu behalten“, sagt Engel. Also verfolgen die Jugendlichen die misshandelte Frau, die sich kurze Zeit später einer ihr bekannten Gruppe Menschen anschließt. „Wir haben uns versichert, dass sie bei denen in guten Händen war. Dann sind wir zur Polizeiwache gegangen und haben alles zu Protokoll gegeben.“ Im Januar 2015 werden die drei als Zeugen im Strafprozess gegen den Täter aussagen. Drei Monate nach dem Vorfall klingelt – für die Jugendlichen überraschend – in Monzelfeld, Morbach und Bernkastel-Kues das Telefon. Ein Sprecher des Innenministeriums lädt die drei Fußballfreunde für heute, Donnerstag, 4. Dezember, ins kurfürstliche Schloss nach Mainz ein. Denn heute wird sich Innenminister Roger Lewentz bei den drei Freunden für ihr mutiges Eingreifen bedanken.
Daneben ehrt Lewentz noch sechs weitere couragierte Bürger des Landes mit dem Preis für Zivilcourage 2014. „So abgedroschen sich das auch anhören mag“, sagt Rischbieter, „aber das war doch eine Selbstverständlichkeit, dass wir eingegriffen haben.“

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